Wie kann eine gemeinsame Lektüre Heiliger Schriften in der interreligiösen Praxis gestaltet werden, sodass sie von allen Teilnehmer*innen als gelungen erlebt werden kann? Welchen theoretisch-hermeneutischen Rahmen setzte eine solche Lektüre voraus? Welche Herausforderungen, Chancen und Bedarfe ließen sich benennen?
In diesem Aufsatz „Interreligiöse Lektüre Heiliger Schriften Theorie und Praxisanwendung für schriftgeleitete Begegnungenwird“ (Aslandur/Kahl, 2024, 23–43) das Modell einer ‚integrativen Bibel-Koran-Lektüre‘ beschrieben und aufgrund praktischer Erprobung evaluiert. Dabei wird zunächst ein theoretisch-hermeneutischer Rahmen für die dialogische Lektüre von Koran und Bibel gesetzt. Hierbei wird rekurriert auf das Narrativ einer historisch und theologisch begründeten „Glaubensverwandtschaft“ zwischen Jüd*innen, Christ*innen und Muslim*innen (Kahl, 2020, 26). Es wird die These vertreten, dass sich gemeinsame Reflexionen von Bibel und Koran – strukturiert als Entdeckungsreisen in ‚fremde‘ Glaubenswelten unter Anleitung der je ‚Anderen‘ – für eine Verständigung und Annäherung von Christ*innen und Muslim*innen als produktiv erweisen. Da bei der schriftgeleiteten Reflexion nicht das Wissen über die Religion, sondern das ‚gemeinsame sich Einlassen aufeinander‘ und auf die Texte aus Bibel und Koran im Zentrum stehen, bildet sie ein vielversprechendes Beispiel für einen wertschätzenden interreligiösen Austausch.
Die praktische Umsetzung des Modells wird im Rahmen von zwei unterschiedlichen interreligiösen Begegnungen erprobt: zunächst im Austausch unter Student*innen der Islamischen und Evangelischen Religionspädagogik und anschließend auf muslimisch-christlicher Gemeindeebene. Das Begegnungsformat wird anschließend ausgewertet. Die Auswertung bildet die Erfahrungsgrundlage für die Beantwortung der eingangs aufgeworfenen Forschungsfragen.
